Steigende Transparenz-Anforderungen verdrängen nicht-nachhaltige Unternehmens-Praktiken. Der regulierte Finanzsektor wird politisch genutzt, um Geldströme in nachhaltige Investments zu lenken.
Für Unternehmen bahnt sich ein Veränderungsbedarf an, der in der Betriebswirtschaft mit dem S-Kurven-Konzept veranschaulicht werden kann: Wenn Strategien und Geschäftsmodelle durch Disruptionen an ihre Leistungsgrenze kommen, wird ein »Sprung« auf die nächste Stufe der Entwicklung (d.h. auf eine neue S-Kurve) benötigt, um in Zukunft noch erfolgreich zu sein. Dieses Phänomen zeigt sich insbesondere bei umwälzenden technologischen Innovationen. Es lässt sich auch auf die Situation übertragen, die durch sozio-ökologische Disruptionen entsteht: Waren bislang die sozialen und ökologischen Auswirkungen nicht-nachhaltiger Wirtschaftstätigkeiten von Unternehmen weitgehend intransparent und kostenlos, so werden sie durch neue Anforderungen wie die EU-Transparenzvorschriften, veränderte Kundenwünsche oder Risikobewertungen von institutionellen Investoren nun teuer und für alle Interessengruppen sichtbar.
Doch was ist ein »nachhaltiges Wachstum«? Hier helfen Denkweisen und Modelle, die jenseits von schrittweiser Schadensreduktion darauf basieren, dass die sozialen und ökologischen Systeme (Gesellschaft und Umwelt) unbeschadet bleiben oder sogar regeneriert werden. Nachhaltiges Wachstum basiert auf dem Grundgedanken eines nachhaltigen Wirtschaftens im Einklang mit ökologischen und sozialen Prinzipien. Damit wird das Prinzip der starken Gewinnorientierung ohne Beachtung ökologischen und sozialen Auswirkungen (negative Externalitäten) in Frage gestellt. Ökologisch und sozial schädliche Wirtschaftsweisen werden langfristig aus dem Markt gedrängt.
Durch die neuen Entwicklungen bewegt sich der Nachhaltigkeits-Fokus in Unternehmen weg von peripheren Initiativen und reputationsorientierten Kommunikationsmaßnahmen hin zum Kerngeschäft. Ein inkrementelles Verbessern von isolierten ökologischen und sozialen Kriterien in Relation zu selbst gesetzten Referenzwerten, wie es von vielen Unternehmen heute praktiziert wird, ist allein nicht ausreichend, um den beschriebenen unternehmerischen und gesellschaftlichen Pfad des nachhaltigen Wachstums zu beschreiten. Denn zunehmend standardisierte und vergleichbare Kriterien zur Überprüfung des Klima- bzw. Umweltbeitrags von Wirtschaftsaktivitäten schaffen Transparenz darüber, wie es um die Nachhaltigkeitsambitionen von Unternehmen bestellt ist. Kein »Trend« wie jeder andere, sondern auch ein Paradigmenwechsel für die Strategiearbeit. Jenseits der Erfüllung von Reportingpflichten ergeben sich durch die neue Transparenzanforderungen auch neue unternehmerische Chancen. Damit Unternehmen erfolgreich wirtschaften und durch Innovationen auch an einem milliardenschweren Zukunftsmarkt für Nachhaltigkeitslösungen partizipieren können, sind zukunftsfähige Strategien und Geschäftsmodelle erforderlich. Die basieren auf unternehmerischen Denkweisen zur Verknüpfung von Strategie und Nachhaltigkeit, die das reine Shareholder-Value- oder kurzfristige Business Case-Denken verlassen und Geschäftslogiken entwickeln, die langfristig im Einklang mit sozio-ökologischen Prinzipien stehen und damit »enkeltauglich« sind.